Eine frühe Fotografie – eine um 1850 aufgenommene Daguerreotypie – zeigt den Aarauer Textilunternehmer Johann Georg Hunziker (1796–1861) mit drei Enkelkindern. Ein klassisches Porträt in Öl zeigt Hunziker in etwa um dieselbe Zeit.
Der Sohn eines Bäckers übernahm 1813 das bescheidene Textilhandelsgeschäft seines Onkels und baute es zur international tätigen Unternehmung aus. Er wurde damit zu einem der reichsten Männer im Kanton Aargau, war Gesandter an der Consulta, Grossrat, Stadtrat und Stadtammann von Aarau, Oberst und zudem Grossgrundbesitzer (Schloss Liebegg), Bankier und Mäzen seiner Heimtatstadt.
Auf der Fotografie wie auch auf einem Porträt, das ihn als Stadtamman von Aarau zeigt, will Hunziker als bescheidener Bürger gesehen werden: keine Uniform, dafür einfache bürgerliche Tracht, besonders betont durch eine einfache Haus- oder Zipfelmütze. Schaut man genau hin, stellt man allerdings fest, dass Hunziker klare Zeichen des Wohlstands zur Schau trägt: Goldene Uhrkette, eine Anstecknadel mit Diamant oder eine goldene Schnupftabakdose machen klar, dass man es mit einem Mann zu tun hat, der immens reich ist, aber es nicht nötig findet, damit zu prahlen.
Lange Zeit gehörten Industrielle wie er zu den in der Historiographie kollektiv verehrten Wegbereitern der modernen Schweiz. Dieser Nimbus hat sich in den letzten Jahren etwas diversifiziert. Dass Hunziker und seine Nachfolger ihren Wohlstand auch der rücksichtslosen Ausnützung des Überangebots an billigen Arbeitskräften in den Dörfern und Weilern des ländlichen Aargaus verdankten, war zwar lange schon bekannt, wurde aber gerne ausgeblendet. Neuere Arbeiten zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Aargaus heben nun diesen Aspekt stärker hervor.